Leipzig: Aktion gegen Kürzungen
Juni 17 @ 18:00 — 20:00
Treffpunkt: Kurt Masur Platz 1 | 04109 Leipzig
Aktion: Teach-In / Dokumentation der Effekte aktueller Bildungskürzungen / Petition für bedarfsgerechtes BAföG
Wir beobachten seit Jahren massive Kürzungen im Bildungsbereich. Gebäude verfallen, Unterricht wird gestrichen, Institute werden geschlossen, Arbeitsplätze werden unsicher oder führen mittelfristig ins Burn-out. Die Folgen sind klar: Die Qualität von Bildung und Wissenschaft sinkt. Gleichzeitig wird der Zugang zu zu Bildung und Wissenschaft immer ungleicher.
Wenn sich die amtierende Wissenschaftsministerin medienwirksam weigert, für eine vernünftige Studierendenfinanzierung zu sorgen, dann erklärt sie offen den Klassenkampf von oben. Das BAföG soll nicht mehr sicherstellen, dass Studierende aus ärmeren Verhältnissen sich auch die Miete leisten können. Eine ganz ähnliche Handschrift zeichnet die Schulpolitik. Längst ist klar: Der staatliche Rahmen für guten Unterricht bröckelt. Überall wo Lehrkräfte, sozial- oder inklusionspädagogisches Personal fehlt, wird bewusst in Kauf genommen, dass die Bildungsqualität sinkt. Bildungspolitiker*innen nehmen es hin, dass kaufkräftige Familien immer häufiger aus dem öffentlichen Bildungswesen aussteigen und ihre Kinder auf Privatschulen schicken. Damit wird Bildungsungleichheit zementiert. Wie kann das sein?
Es geht der überwiegenden Mehrheit von Bildungs- und Wissenschaftspolitiker*innen darum, die Staatsquote zu senken. Insbesondere Spitzen‑, Vermögens, Unternehms- und Erbschaftssteuern fallen derart niedrig aus, weil öffenltiche Güter ideologisch abgelehnt werden. Stattdessen sollen auch Bildung und Wissenschaft ökonomischen Wettbewerben unterworfen und zur Ware gemacht werden. Wo die Mittel für die Forschung und Studienfinanzierung nicht direkt über private Akteure bereitgestellt werden, inszeniert der Staat marktanaloge Wettbewerbe. Die Leistungsorientierte Mittelvergabe oder die Exzellenzinitiative an Universitäten sind die besten Beispiele für diese organisierten Wettbewerbe. Aber auch das Studium und die Lehre werden mehr und mehr darauf ausgerichtet, lauter Ich-AGen* zu produzieren.
Das hat schwerwiegende Folgen: Der Zugang zu den Restbeständen von Bildung und Wissenschaft, hängt mehr und mehr vom Startkapital der Interessierten ab. Dazu passt auch, dass in Kreisen der Union wieder offen über Studiengebühren nachgedacht wird. Die gesellschaftlichen Zugänge, die über Bildungsabschlüsse zugewiesen werden, geraten somit immer weiter aus der Reichweite derjenigen, die ohnehin wenig haben. Ungleichheit steigt. Der Konkurrenzkampf wird zunehmend aggressiver und autoritärer, den nur wer bereit ist sich anzupassen, kommt weiter.
Dabei wird kritischem Denken der Gar ausgemacht und damit geht es auch Bildung und Wissenschaft selbst an den Kragen. Was interessiert sind “Erkenntnisse”, die den unmittelbaren Profitinteressen dienen, so borniert und kurzsichtig das bestehende Geschäftsmodell auch sein mag. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die bürgerliche Wissenschaft ihren letzten Kredit verspielt hat und offen als Ideologie-Maschine erkenntlich wird.
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*Also Leute, die sich selbst wie Unternehmen behandeln und jede Handlung als Investition in eine vermeintlich prosperierende Zukunft betrachten.

